Karl-Heinz Rummenigge und Ottmar Hitzfeld haben die hohen Ablösesummen, die Real Madrid bereit ist zu zahlen, kritisiert. Der Vorstandsvorsitzende und der Ex-Trainer fordern "mehr Rationalität" und bezeichnen die Summen als "absurd".
Nach den Transfers von Cristiano Ronaldo und Kakà für insgesamt mehr als 150 Millionen Euro zu Real Madrid nehmen die Diskussionen kein Ende. "Die Summen, die da im Moment durch die Gegend fliegen, sind keinem Menschen auf der Straße mehr zu vermitteln. Rechnen Sie allein mal die 94 Millionen für Ronaldo plus die kolportierten 11,5 Millionen Netto-Gehalt", sagte Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge in einem Interview der "Bild"-Zeitung.
Rummenigge, der auch Vorsitzender der Europäischen Club-Vereinigung (ECA) ist, nahm bereits Kontakt mit UEFA-Präsident Michel Platini auf. "Wir werden in Sachen Financial Fairplay neue Regeln aufstellen müssen", sagte Rummenigge. Allerdings hatte der FC Bayern München mit dem Transfer von Mario Gomez ebenfalls für Aufsehen gesorgt. Beim Wechsel des Stürmers flossen 30 bis 35 Millionen Euro von München nach Stuttgart.
Auch der frühere Bayern-Caoch Ottmar Hitzfeld sieht solche Transfers als problematisch für einen fairen Wettbewerb an. "Man sollte die Investitionen selbst bezahlen können. Ich finde es sehr fraglich, wenn sich der Verein überschuldet. Real macht ja wieder mehr Schulden, als sie schon haben. Das finde ich etwas unseriös", sagte der heutige Schweizer Nationalcoach in einem Interview der "tz". "Wenn sich Vereine maßlos überschulden können, ist das Wettbewerbsverzerrung."
Laut Presseberichten vom Dienstag erhält Madrid von der Großbank Santander und von der Großsparkasse Caja Madrid einen Kredit von zusammen rund 150 Millionen Euro. Als Garantie sehen beide Geldinstitute demnach die TV-Übertragungsrechte der Erstliga-Spiele, die den "Königlichen" in den nächsten sieben Jahren etwa 1,1 Milliarden Euro Einnahme sichern.
Für den Wechsel des Portugiesen Ronaldo vom englischen Meister Manchester United zu Real Madrid will der spanische Club die Rekordsumme von über 90 Millionen Euro zahlen. Der Transfer ist allerdings noch nicht endgültig unter Dach und Fach. Der Brasilianer Kaká, der bislang für den italienischen Spitzenclub AC Mailand gespielt hat, kostet die Madrilenen 65 Millionen Euro.
Die spanische Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Salgado zeigte sich angesichts des Kredits "überrascht", da die Banken wegen der Finanzkrise den Geldhahn weitgehend zugedreht haben. "Wenn die Geldinstitute für so etwas liquide sind, sollten sie auch kleinen und mittleren Unternehmen sowie Privatleuten Geld leihen", meinte sie.
Der frühere Weltklasse-Stürmer Emilio Butragueno, jetzt als "Direktor für Beziehungen zu den Institutionen" für Real tätig, hatte die Transfers kürzlich verteidigt. "Oft ist das Billige teuer und das Teure schließlich billig. Aus fußballerischer Sicht gibt es nicht den geringsten Zweifel, dass Cristiano Ronaldo und Kakà unter den Besten der Welt sind und der Mannschaft enorm weiterhelfen werden. Wirtschaftlich ist die Frage, ob es ratsam ist, viel Geld in zwei Spieler dieser Kategorie zu stecken, oder in sechs Spieler, die gut, aber keine Superstars sind", hatte er in der "Süddeutschen Zeitung" erklärt.