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09. Februar 2010
 

Sport

 
Lukas Podolski jubelt. Quelle: dpa
Tendenz aufwärts: Lukas Podolski

Länderspiel gegen die Elfenbeinküste

Melancholie und
ein ordentliches Spiel

Podolskis spätes Ausgleichstor
in einem ganz besonderen Spiel

von Frank Schmidt, Gelsenkirchen

Das Leben muss weitergehen! Und weil Lukas Podolski diese interne Vorgabe beim 2:2 gegen die Elfenbeinküste bestens umgesetzt hat, kann die DFB-Elf das Spiel eins nach Robert Enke zumindest aus sportlicher Sicht als Teilerfolg für sich reklamieren.

 
 
 
 

Keine AC/DC-Kracher, sondern dezente Klänge von "The Last Goodnight" oder "Razorlight" ertönten im Vorprogramm aus den Lautsprechern. Anstatt fetziger Werbespots zeigte der große Videowürfel in der Arena auf Schalke einen mit "You'll never walk alone" unterlegten kurzen Film über Robert Enke.

 

Gedanken an Enke

Nicht alle im DFB-Lager konnten sich später nach dem Anpfiff der melancholischen Stimmung entziehen, die sich angesichts des Gedenkens an den gestorbenen Torwart breit gemacht hatte. "Ich musste während des Spiels einige Male an Robert denken. Dass er jetzt nicht mehr hier unter uns ist", sagte Bundestrainer Joachim Löw nach dem Schlusspfiff mit bewegter Stimme.

Zitat

„Poldi hat ein unglaubliches Potenzial, egal wo er spielt.“

Joachim Löw

Ergriffen war Löw auch von der Geste des Publikums, das nach wenigen Spielminuten laut skandierte: "Steht auf, wenn Ihr Deutsche seid." Löw: "Das war das Signal für meine Mannschaft, den Schalter umzulegen." Das tat sie bis zur Pause mit Bravour, so dass die verdiente Führung heraus sprang. Doch irgendwie stand der weitere Spielverlauf sinnbildlich für die beiden Gesichter der DFB-Elf in diesem Jahr.

Ballkünstler

Konzentrationsfehler und Ungenauigkeiten brachten Löws Team ins Hintertreffen. Zu viele Spieler leisteten sich eine Auszeit, oft alle auf einmal. Die Ivorer ließen ihre Ballfertigkeit aufblitzen und übernahmen das Kommando. Nach den Treffern von Kalou und Doumbia schien ihnen der Sieg nicht mehr zu nehmen.

 

"Ich bin enttäuscht und sauer auf mich. Ich habe es zum Schluss versäumt, noch mal auszuwechseln." Vahid Halihodzic, der Coach der Ivorer, ging hart mit sich ins Gericht. Dabei hatte er wohl in erster Linie daran gedacht, mit welcher Entschlossenheit Doumbia in der 85. Minute kurz nach seiner Einwechslung das 2:1 für die Elfenbeinküste erzielt hatte. Mit einem weiteren frischen Mann hätte sein Team im ersten Spiel gegen Deutschland womöglich den Sieg vorzeitig perfekt machen - oder zumindest den Ausgleich verhindern können.

 
Sekou Cisse (l) und Bastian Schweinsteiger kämpfen um den Ball. Quelle: reuters
reuters
Sekou Cisse setzt sich gegen Bastian Schweinsteiger durch
 

Fragwürdige Entscheidungen

Dass Halihodzic den Fehler bei sich selbst und nicht bei anderen suchte, ehrt ihn ganz besonders. Schließlich wurden seinem Team nach Strafraum-Attacken von Jerome Boateng und Per Mertesacker zwei klare Strafstöße verweigert. Zudem war der gegen die Ivorer verhängte Elfmeter, der dem Löw-Team zunächst die Führung gebracht hatte, zumindest fragwürdig.

Das Fazit von Joachim Löw klang gestern Abend wie nach so vielen Spielen der jüngeren Vergangenheit. "Wir haben in der ersten Halbzeit taktisch sehr diszipliniert gespielt und nach vorne schnell umgeschaltet. Danach sind wir vor allem nach dem Gegentor aus dem Rhythmus gekommen, haben aber mit dem späten Ausgleich Moral bewiesen."

 

Sonderlob für Podolski

Dass das Jahr für die DFB-Elf nicht so endete wie es beim 0:1 gegen Norwegen im Februar begonnen hatte, lag vor allem an Lukas Podolski. Nicht nur wegen seiner beiden Treffer heimste er beim Bundestrainer ein Sonderlob ein: "Poldi hat ein unglaubliches Potenzial, egal wo er spielt. Er war heute an allen gefährlichen Situationen beteiligt und hat einen enormen Willen gezeigt."

 

Podolski rettete mit dem späten Ausgleich zudem die Stimmung im Stadion, die zwischenzeitlich zu kippen drohte. Schon bei der Einwechslung von Mario Gomez (70. Minute) und der Auswechslung von Bastian Schweinsteiger (80.) hatte es laute Pfiffe gegeben. Somit gehörte zur Besonderheit dieses besonderen Spiels, dass das Ergebnis trotz des fraglichen sportlichen Werts doch enorm wichtig war. Ein Pfeifkonzert zum Schluss - es wäre diesmal ganz hässlich in Erinnerung geblieben.

 
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