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10. Februar 2012
 

Sport

 
Berti Vogts. Quelle: ap
Berti Vogts

EM - Qualifikation

"Wir kommen nicht aus dem Träumerland"

Aserbaidschans Trainer Berti Vogts über die K-Frage
und das anstehende Quali-Spiel gegen die DFB-Elf

Zur "K-Frage" hat Berti Vogts eine klare Meinung. Der Ex-Bundestrainer spricht sich für Michael Ballack aus. Als Nationaltrainer von Aserbaidschan aber hat Vogts andere Sorgen: Im EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland fehlen ihm wichtige Spieler.

 
 
 
 

sport.zdf.de: Herr Vogts, in Deutschland wird seit Wochen über die K-Frage diskutiert. Soll Michael Ballack, bei der WM wegen einer Verletzung nicht dabei, seinen Job zurück bekommen oder soll Philipp Lahm, der WM-Kapitän übernehmen - wie würden Sie entscheiden?

 

Berti Vogts: Wenn das das einzige Problem dieser Mannschaft ist, dann herzlichen Glückwunsch. Joachim Löw hat sich eindeutig geäußert und er hat die Sache sehr geschickt gelöst.

 

sport.zdf.de: Und Ballack? Dem haben Oliver Kahn und Lothar Matthäus geraten, zurückzutreten.

 

Vogts: Ich glaube, er braucht keine Ratschläge. Er ist erfahren genug, um zu wissen, was das Beste für ihn ist. Ratschläge von außen verbieten sich von alleine.

 

"Ballack wird zurückkommen"

sport.zdf.de: Wäre es nicht tatsächlich besser, er würde für die nächste Generation Platz machen? Die Mannschaft hat in Südafrika ohne ihn ein tolles Turnier gespielt.

 

Vogts: Vielleicht hätte Deutschland mit Ballack die Spanier im Halbfinale ja geschlagen. Michael Ballack wird zurückkommen, da bin ich sicher. Er wird es allen Kritikern zeigen. Dazu wird sein Vereinstrainer Jupp Heynckes einen großen Teil beitragen, er ist in Leverkusen sehr gut aufgehoben.

 

sport.zdf.de: Ist Deutschland nach zwei dritten Plätzen bei Weltmeisterschaften und dem zweiten bei der EM wieder reif für einen Titel?

 

"Die beste Mannschaft der Welt"

Vogts: Die Spieler müssen sich alles wieder neu erarbeiten, sie müssen hungrig bleiben. Dass sie das sind, daran besteht kein Zweifel. Der Fußball, den Deutschland in Südafrika gespielt hat, war traumhaft. Vielleicht muss die Mannschaft das Glück noch eine Spur mehr herausfordern.

 

sport.zdf.de: Wie hoch sind Ihre Chancen gegen diese Mannschaft?

 

Vogts: Wir wissen, wir spielen gegen die beste Mannschaft der Welt.

 

sport.zdf.de: Deutschland hat aber nicht das WM-Finale gewonnen. Und viele haben für die Mannschaft nach der WM eine schwere Zeit prophezeit?

 

Vogts: Ich bleibe dabei. Was Deutschland in Südafrika geboten hat, war etwas Besonderes. Die ganze Welt war begeistert.

 

sport.zdf.de: Zurück zu Ihren Chancen. Könnte in Köln eine Überraschung gelingen?

 

Vogts: Wir kommen nicht aus dem Träumerland. Zuhause könnten wir einige der Gruppengegner ärgern und für manche Überraschung sorgen. Jetzt fehlen leider die zwei besten Verteidiger und ein Stürmer.

 

Lange Vorbereitung

sport.zdf.de: Sie haben sich für eine lange Vorbereitung vor dem Duell gegen Deutschland entschieden?

 

Vogts: Wir sind aus bestimmten Gründen schon seit vergangenem Montag in Deutschland.

 

sport.zdf.de: Und die wären?

 

Vogts: In Aserbaidschan haben wir 38 bis 40 Grad, hier 20 bis 21. Die Bedingungen in Deutschland sind wesentlich besser, wir haben längst nicht so viele Trainingsplätze. Und ich wollte den Spielern Gelegenheit geben, sich an die schwierige Situation vor diesem Spiel zu gewöhnen. Sie sollen so entspannt wie möglich ins Spiel gehen und lernen können. Deshalb waren wir im Europapark Rust und die Spieler haben den einen oder anderen Tag frei gehabt.

Infobox

Berti Vogts

ist seit April 2008 Nationaltrainer in Aserbaidschan. Als Bundestrainer (1990 bis 1998) wurde der 63-Jährige 1996 Europameister. Der ehemalige Nationalverteidiger betreute außerdem die Nationalteams von Kuwait, Nigeria und Schottland.

"Wir machen kleine Schritte"

sport.zdf.de: Sie sind seit 2008 Nationaltrainer. Wie groß sind die Fortschritte in Aserbaidschan?

 

Vogts: Es ist noch ein weiter Weg zum Ziel, Anschluss ans Mittelfeld in Europa zu finden. Aber wir machen kleine Schritte. Die Bilanz der letzten zehn Spiele, sah mit vier Siegen, vier Unentscheiden und zwei Niederlagen schon sehr annehmbar aus. Es bewegt sich etwas im Nationalteam.

 

sport.zdf.de: Können Sie konkreter werden?

 

Vogts: Die Strukturen verbessern sich. Der Verbands-Präsident unternimmt große Anstrengungen. Es geht vor allem um Nachwuchsarbeit. Wir hatten zuletzt 15-Jährige sechs Wochen zu diversen Trainingslagern in Deutschland. Wir haben von Bayern München und 1899 Hoffenheim sehr große Unterstützung erhalten. In den Schulen in Aserbaidschan wird jetzt einmal die Woche Fußball gespielt. Ich habe durchgesetzt, dass in den Ligaspielen drei Einheimische spielen müssen und mindestens drei auf der Bank zu sitzen haben. Ich bin auch sehr froh, dass Winfried Schäfer als Vereinstrainer hier ist. In seinem Klub FK Baku gibt es inzwischen eine Jugendakademie und neue Trainingsplätze.

 
 
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