Während Deutschland sich für die Frauen-WM 2011 präpariert, sucht der US-amerikanische Frauenfußball nach vergangenem Glamour und neuem Geld. Mia Hamm soll jetzt bis 2011 dabei helfen, dem Frauenfußball in den USA zu neuem Stellenwert zu verhelfen.
Ob Los Angeles Sol gegen Washington Freedom, Chicago Red Stars gegen Saint Louis Athletica - bei jeder einzelnen Partie der mit der abgelaufenen Saison 2009 neu gestarteten US-Profiliga der Frauen (WPS) war Mia Hamm dabei. Nicht persönlich, das wäre für die zweifache Mutter nicht machbar gewesen. Doch die Silhouette von Hamm, der US-Frauenfußball-Ikone, ist als Logo der neuen Liga auf jeden Trikotärmel genäht und in jedem Stadion auf die Bande gedruckt.

"Sie ist die Pionierin unseres Sports", heißt es in der Begründung der WPS. "Mia ist einfach die Größte", sagt auch Steffi Jones, die als frühere deutsche Nationalspielerin oft gegen und als eine der ersten deutschen Profifußballerinnen in den USA für Washington Freedom schließlich auch mit der bis heute berühmtesten US-Fußballerin gespielt hat. Heute kickt Hamm nicht mehr - und sie trainiert auch keine Mannschaft wie so manch andere ehemalige Fußballerin.
"Ich habe einfach nicht die Geduld für diesen Job", sagt die 37-Jährige und lächelt entschuldigend. Dabei kann Hamm ein Fußballspiel und auch eine Fußballerin so exakt und mitreißend analysieren, dass im Laufe des Gesprächs ihre Hände immer aktiver durch die Luft fahren, immer mehr Gedanken strömen in ihren Kopf, so dass sie sich irgendwann selbst bremst: "Oooh, es ist einfach ein wundervoller Sport, und es ist unheimlich spannend, all diese einzelnen Faktoren und Möglichkeiten auseinanderzunehmen und dann zu erkennen: Das ist das Spiel. Das Spiel zu lesen, ist die Kunst, und das versuchst du als Fußballerin in jedem Spiel eben aufs Neue."
Bis zu ihrem Rücktritt vor fünf Jahren war Hamm die ausnahmslos Beste ihres Fachs. 158 Tore hat sie in 275 Länderspiele geschossen, niemand anderes auf der Welt hat öfter für seine Auswahl getroffen. Zwei olympische Goldmedaillen, zwei WM-Titel und zwei Auszeichnungen als Weltfußballerin des Jahres hat sie gewonnen, keine andere Fußballerin war erfolgreicher.
Vor dem Länderspiel der deutschen Fußballerinnen gegen die USA in Augsburg stellte der DFB Mia Hamm nun als seine erste internationale Botschafterin für die Frauen-WM 2011 vor. Und es ist der nur 1,65 Meter kleinen, zierlichen Frau anzumerken, welchen Spaß sie daran hat, diese Aufgabe anzugehen. "In Deutschland ist der Stellenwert des Frauenfußballs enorm im Vergleich zu anderen Nationen", sagt Hamm, "er hat viel Tradition und durch die Erfolge auch Anerkennung, das ist beeindruckend. Ich meine, das Spiel zwischen Deutschland und den USA in Augsburg ist ausverkauft. Wo sonst gibt es das?" Nun, in den USA - zumindest zu der Zeit, als Hamm noch aktiv war.
Das Wort "Ausverkauft!" gleicht im Sport einem Adelstitel. Das erste Mal, dass der Frauenfußball damit verblüffte, war vor zehn Jahren in den USA, als die Gastgeberinnen 1999 das WM-Finale gegen China in dem berühmten Elfmeterschießen gewannen: Als sich Brandi Chastain nach ihrem letzten, entscheidenden Schuss das Trikot vom Leib riss, waren 90.185 Zuschauern in der ausverkauften Rose Bowl in Kalifornien - darunter auch der damalige US-Präsident Bill Clinton. Nie zuvor und niemals danach sahen mehr Menschen ein Frauenfußballspiel live.
Der damalige Erfolg der US-Frauen beflügelte die Entwicklung des Frauenfußballs enorm: 2001 wurde die erste US-Frauenfußball-Profiliga WUSA gegründet, Mia Hamm stieg zur Werbemillionärin auf, und der Nimbus der USA als Frauenfußball-Nation hält sich bis heute. Auch wenn nach dem finanziellen Zusammenbruch der ersten Profiliga 2003 nun die neue Profiliga WPS in kleinerem Rahmen stattfindet und um Werbeeinnahmen kämpft. "Der Fußball in den USA hat Probleme, überhaupt ins Fernsehen zu kommen", sagt Hamm, "das einzige, was in letzter Zeit wirklich interessiert hat, war der Trubel um David Beckham. Nicht nur wir Fußballerinnen, nein, der gesamte Fußball in den USA kämpft für ein Level, den er in Deutschland längst einnimmt."
Heute sind es Spielerinnen wie Stürmerin Abby Wambach oder Torhüterin Hope Solo, die als Persönlichkeiten für den US-Frauenfußball stehen. Als weltweite bekannte Botschafterin des DFB für die WM 2011 soll Hamm jetzt helfen, die kommende Weltmeisterschaft der Frauen in den USA als das zu bewerben, was der DFB in ihr sieht: "Als ein Turnier, bei dem die besten Fußballerinnen der Welt in freundlicher Atmosphäre zeigen, wie attraktiv Frauenfußball sein kann, und wieviel Spaß es macht, ihn im Stadion zu erleben", sagt Steffi Jones.
Mia Hamm ist überzeugt, dass sie diese Begeisterung mit in die USA tragen kann: "Wenn ich es schaffen sollte, die Anerkennung und die gewachsene Tradition aus Deutschland mit den Entwicklungsmöglichkeiten in den USA zu verbinden, dann hätten wir ein großes Ziel erreicht."