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21. November 2009
 

Sport

 
Herbert Fandel. Quelle: dpa
Filmreife Leistung: Herbert Fandel

Fußball - Schiri-Doku

"Spielverderber"

Film über Schiedsrichter zeigt Menschen hinter der Pfeife

von Torsten Haselbauer

Deutschland - das Land der Fußball-Schiedsrichter. Rund 80.000 gibt es. Über drei von ihnen wurde jetzt ein Dokumentarfilm gedreht. "Spielverderber" zeigt den Menschen hinter der Pfeife und gibt einen Einblick in eine sonst eher verschlossene Zunft.

 
 
 
 

Natürlich beginnt der Film mit einem langen, kräftigen Pfiff. "Damit setzt ihr schon ein Zeichen", erklärt Martin Vilehr. Er ist Schiedsrichter-Lehrwart und muss es wissen. Um ihn herum, auf einem Aschenplatz irgendwo in Köln, stehen rund zwanzig Schiedsrichter-Anwärter und hören aufmerksam zu. Anpfiff zum Film "Spielverderber", der ab Donnerstag in den Kinos zu sehen ist.

 

Spielfeldkontrolle vor Anpfiff

"Pfeife", "Blinder", das sind noch die harmlosesten Begriffe, die ein Schiedsrichter zu hören bekommt. Egal ob in der Kreisliga oder in der Bundesliga. Die drei Schiedsrichter, die die Filmemacher Henning Drechsler und Georg Nonnenmacher in ihrer Dokumentation "Spielverderber" ein Jahr begleitet haben, kennen das. Der 14-jährige Nachwuchs-Schiri Kevin Prösdorf ebenso wie Oreste Steiner, der mittlerweile 74-jährige Schiedsrichter-Veteran, der in Essen immer noch in der Kreisliga pfeift. Oder Herbert Fandel, einer der besten und auch international renommiertesten Unparteischen, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hervorgebracht hat. Fandel, 45 Jahre alt, hat gerade seinen Rücktritt erklärt.

 

"Schiedsrichter müssen Spuren hinterlassen", erklärte er bei der Premiere des Films "Spielverderber" in Berlin am vergangenen Freitag. Die vielleicht schönste, aber zugleich auch befremdlichste Szene des 89 Minuten langen sensiblen wie humorvollen Films kommt so einer Spur auf die Schliche. Da schreitet Fandel eine Stunde vor dem Spiel mit seinen beiden Assistenten den Platz des Dortmunder Stadions ab. Er kontrolliert die Linien, die Tornetze und den Rasen.

Zitat

„Früher hätte mich so etwas sicher mehr mitgenommen. Auch über Fehler habe ich mir zu Anfang noch lange den Kopf zerbrochen. Heute ist schon ein Tag danach alles wieder vergessen.“

Herbert Fandel über Pfiffe der Fans

Gellende Pfiffe und böse Sprüche

Obwohl er die Bundesligapartie zwischen Borussia Dortmund und Hertha BSC noch gar nicht angepfiffen hat, wird er von den Zuschauern schon mit gellenden Pfiffen und bösen Sprüchen empfangen. Fandel steckt das scheinbar gelassen weg. "Früher hätte mich so etwas sicher mehr mitgenommen. Auch über Fehlentscheidungen habe ich mir zu Anfang meiner Karriere noch lange den Kopf zerbrochen. Heute ist schon ein Tag danach alles wieder vergessen", erklärt Fandel. Er hat gelernt, mit dem Druck, der ständigen Kritik, umzugehen.

 

Fandel ist einer der rund 80.000 Schiedsrichter in Deutschland. "Es war einfach Zeit, über diese Menschen einmal einen Film zu drehen", berichtet Georg Nonnenmacher. Dabei interessierten Nonnenmacher und Drechsler weniger die Fragen 'Elfmeter oder nicht Elfmeter?' beziehungsweise 'Foul oder nicht Foul?', sondern "die Menschen hinter der Pfeife", wie Nonnenmacher es ausdrückt.

 

Die Kamera war immer dabei

Wohl auch deshalb hatte sich Herbert Fandel vor knapp vier Jahren sofort bereit erklärt, in diesem Filmprojekt eine tragende Rolle zu übernehmen. "Es war am Anfang schon seltsam, immer die Kamera im Rücken zu haben. Doch nach einiger Zeit war es normal", erklärt Fandel, der eigentlich einmal Konzertpianist werden wollte.

 

Die Filmemacher folgen Fandel überall dorthin, wo sich Schiedsrichter aufhalten und was man bisher so nicht zu sehen bekam. Im Hotel beim abendlichen Einchecken vor dem Spieltag, auf dem Weg zum Stadion, beim Gang in die Schiedsrichterkabine, auf dem Platz und nach dem Abpfiff wieder in der Schiedsrichterkabine. Dort wird dann mit dem DFB-Schiedsrichterbeobachter das Match ausgewertet.

 

Premiere beginnt mit Panne

"Man muss lernen, die Balance im Spiel zu halten, den Spielfluss nicht zu stören", sagt Fandel im Film. Da sitzt er zusammen mit seinem Sohn am Klavier. Die Fandelsche Schiedsrichterphilosophie will sich der Nachwuchsschiri Kevin Prösdorf noch aneignen. Er ist auf einem guten Weg. "Ehrgeiz, Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen, so was hatte ich früher nicht. Jetzt als Schiedsrichter habe ich das gelernt", erklärt der Novize.

 

Bei seinem ersten Einsatz vergisst er vor Nervosität glatt seine Uhr. Er leiht sich eine von seiner Mutter, die ihn zum Spiel gefahren hat. Dann nimmt er die Pfeife in den Mund und bläst ganz kräftig hinein. Das Spiel beginnt.