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10. Februar 2012
 

Sport

 
Theo Zwanziger. Quelle: dpa
Theo Zwanziger

Fußball - DFB

Zwanziger macht weiter, Kempter darf nicht

DFB-Präsident kandidiert - Schiri-Affäre bleibt Problem

Theo Zwanziger bleibt DFB-Präsident, der Fall Michael Kempter sein größtes Problem. Zwanziger gab auf der Sitzung des DFB-Präsidiums seine erneute Kandidatur bekannt, musste sich dann aber sofort wieder mit der Schiedsrichter-Affäre befassen.

 
 
 

Zitat

„"Bis zur Klärung des Sachverhaltes wird Michael Kempter nach Absprache zwischen Herbert Fandel, dem Leiter der Schiedsrichter-kommission, und Lutz-Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter des DFB, nicht mehr angesetzt“

DFB-Stellungnahme

Ergebnis: Wegen der erneuten Anschuldigungen Amerells gegen Kempter wird der jüngste Referee der Bundesliga-Geschichte vorerst nicht mehr eingesetzt - und muss sogar sein Karriere-Ende befürchten.

Kempter vorerst auf Eis gelegt

Der 27-Jährige darf die ihm ursprünglich zugewiesene Drittliga-Begegnung am Samstag zwischen dem SV Sandhausen und Kickers Offenbach damit nicht pfeifen. Der Kontrollausschuss des Verbandes und die Schiedsrichterkommission werden jetzt die neuen Vorwürfe Amerells überprüfen - dann wird entschieden, "ob oder in welcher Form Kempter als Schiedsrichter in Zukunft eingesetzt werden kann".

Der ehemalige Schiedsrichterbeobachter Amerell, der von Kempter und drei weiteren Referees der sexuellen Nötigung bezichtigt wird, fordert von seinem früheren Zögling wegen angeblicher Verleumdungen Schadensersatz in Höhe von 150.000 Euro, der DFB soll die Ansprüche bis spätestens 2. August anerkennen. Die 19 Präsidiumsmitglieder des Verbands mussten auf Antrag von Amerells Anwalt Jürgen Langer bei der Sitzung einzeln diese Frage bewerten. Das Ergebnis: Der DFB hält die Ansprüche nicht für rechtens, die Auflistung reichte aber, um das Präsidium im Falle Kempter ins Grübeln zu bringen.

 
Michael Kempter. Quelle: dpa
dpa
Michael Kempter

Vertrauen in Löw

Dies alles änderte nichts an Zwanzigers Willen, DFB-Präsident zu bleiben. Er erklärte nach der Präsidiumssitzung, dass der neue Vertrag für Löw bis zur EURO 2012 in Polen und der Ukraine den entscheidenden Ausschlag für eine weitere Kandidatur gegeben habe. "Das Verhalten des Bundestrainers hat mir gezeigt, dass mein Vertrauen in Joachim Löw gerechtfertigt war. Auf dieser Basis können wir weiterhin erfolgreich zusammenarbeiten", sagte Zwanziger.

Auch Löw scheint die zu Jahresbeginn wegen des vermeintlichen Handschlagsvertrags enstandenen Dissonanzen abgehakt zu haben. "Ich freue mich auf die weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit. Der Präsident hat uns immer den Rücken gestärkt. Gemeinsam wollen wir unseren Erfolgsweg fortsetzen", sagte der 50-Jährige.

 

Amtsmüdigkeit vorbei?

Zwanziger hatte zuletzt vor dem Hintergrund heftiger Kritik an seiner Person im Zuge der Aufarbeitung der Affäre Amerell/Kempter mehrmals von Amtsmüdigkeit gesprochen und zum wiederholten Male mit Rücktritt gedroht. "Es muss legitim sein, sich am Ende einer Legislaturperiode intensive Gedanken über die zukünftige Lebensplanung zu machen", sagte Zwanziger.

In der Schiedsrichteraffäre zog der DFB am Freitag die Konsequenzen und Kempter vorerst aus dem Verkehr. Offiziell klingt das so: "Bis zur Klärung des Sachverhaltes wird Michael Kempter nach Absprache zwischen Herbert Fandel, dem Leiter der Schiedsrichterkommission, und Lutz-Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter des DFB, nicht mehr angesetzt. Durch diese Maßnahme soll gewährleistet werden, dass der Fall mit der nötigen Ruhe möglichst schnell aufgearbeitet werden kann."

Zitat

„Man muss fragen, wer mit Kempter unter einer Decke steckt, wenn der mit solcher Gewalt geschützt werden muss“

Manfred Amerell

Zündstoff

DFB-Vizepräsident Rolf Hocke setzte sich damit mit seiner Forderung durch, die schnelle Ansetzung Kempters zu überdenken. Die Personalie sorgte in Frankfurt für Zündstoff. Hocke hatte sich in der Süddeutschen Zeitung beklagt, Fandel habe mit der Ansetzung einen Alleingang getätigt. Das höchste Gremium des Verbandes habe bei der WM in Südafrika noch beschlossen, dass Kempter vorerst noch nicht nominiert werden solle.

Er sei "überrascht, dass Kempter schon für diesen Samstag nominiert wurde", hatte Hocke erklärt. "In Pretoria haben wir die Schiedsrichterlisten für erste, zweite und dritte Liga abgesegnet - mit ausdrücklicher Ausnahme der Person Kempter. Weil wir gesagt haben, wir wollen uns erst ein umfassendes Bild zur Sache von Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel geben lassen."

 

Die Personalie Kempter sollte ausdrücklich ausgeklammert werden, doch anscheinend drückte Fandel dessen Ansetzung durch. Bei Amerell sorgte dies für unverhohlene Empörung. "Man muss fragen, wer mit Kempter unter einer Decke steckt, wenn der mit solcher Gewalt geschützt werden muss. Jetzt zeigt sich, ob die Präsidiumsmitglieder nur Marionetten des Präsidenten und des Herrn Fandel sind", sagte Amerell.

 
 
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