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21. November 2009
 

Sport

 
Andreas Ibertsberger. Quelle: imago
Andreas Ibertsberger

Fußball - Bundesliga

"Fall Hoffenheim": DFB
zwischen den Stühlen

NADA pocht auf die Regeln - Gladbach legt Protest ein

Zwei Spieler kommen zehn Minuten zu spät zur Dopingprobe und stellen den DFB vor ein Dilemma. Die NADA pocht auf Einhaltung der Regeln. Andererseits erscheint eine Einjahres-Sperre zu hart. Gladbach hat gegen die Wertung der Partie Protest eingelegt.

 
 
 
 

Die beiden Hoffenheimer Spieler Andreas Ibertsberger und Christoph Jancker waren nach dem Spiel in Mönchengladbach (1:1) am 7. Februar verspätet zur Dopingprobe erschienen.

 

Erst zur Sitzung, dann zur Kontrolle

Gladbachs Pressesprecher Markus Aretz begründet das Vorgehen des Klubs so: "Wir haben damit die Frist gewahrt, auch wenn nicht klar ist, welche Konsequenzen die Verstöße haben könnten." Ein Einspruch ist gemäß Paragraf 17, Nr. 5 a, der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung möglich, "wenn in einem Spiel ein gedopter Spieler mitgewirkt oder sich ein Spieler schuldhaft geweigert hat, sich einer Doping-Kontrolle zu unterziehen."

Zitat

„Wir haben damit die Frist gewahrt, auch wenn nicht klar ist, welche Konsequenzen die Verstöße haben könnten.“

Gladbachs Pressesprecher Markus Aretz

In der Bundesliga stieß der Protest des Tabellenletzten auf harsche Kritik. "Das ist ein Witz, ein absoluter Witz", sagte Rudi Völler, Sportdirektor von Bayer Leverkusen, im "Premiere"-Interview. Und Völlers Amtskollege Dietmar Beiersdorfer vom Hamburger SV ergänzte: "Das hat mit Solidarität nichts zu tun. Da sollte man eine sportliche Lösung finden."

Durchs Los bestimmt

Andreas Ibertsberger und Christoph Jancker waren zur Dopingkontrolle ausgelost worden. Statt wie vorgeschrieben unmittelbar nach dem Abpfiff zur Urin-Abgabe zu erscheinen, waren sie erst nach einer Mannschaftssitzung in der Kabine mit zehnminütiger Verspätung zu den Kontrolleuren gekommen.

 

Damit wäre nach Ansicht von Experten genügend Zeit geblieben, einen etwaigen Dopingmissbrauch zu vertuschen. "Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Manipulationen vorliegen", sagte der DFB-Kontrollausschussvorsitzender Rainer Koch im aktuellen Sportstudio.

Zwar genießt der Verband bei der Aufarbeitung des Falls das volle Vertrauen der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA, doch auch die NADA pocht auf die Einhaltung der Regeln. "Man kann davon ausgehen, dass der DFB im Anti-Doping-Kampf vorbildlich arbeitet", sagt der NADA-Vorstandsvorsitzende Armin Baumert. Der Vertrauensbeweis der NADA setzt den DFB allerdings gleichzeitig unter Druck. Schließlich fordern die Regeln eine Sperre von einem Jahr für die betroffenen Spieler.

Zitat

„Wir wollen nicht ein Image bekommen, wie es andere Sportarten haben. “

Rainer Koch

Wehret den Anfängen

Am Samstag hatte Koch, zugleich auch Chef der Anti-Doping-Kommission des DFB, gegenüber "Premiere" erklärt: "Ein Jahr Sperre ist auf den ersten Blick eine harte und unverhältnismäßige Entscheidung, auf der anderen Seite gibt es klare Regeln."

Am Sonntag äußerte sich der Jurist vorsichtiger und sprach sich erneut für eine Einzelfallprüfung aus. "Wir müssen im Fußball aufpassen. Wir wollen nicht ein Image bekommen, wie es andere Sportarten haben. Deshalb müssen wir penibel darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden", sagte Koch im DSF.

 

Negativ

1899-Trainer Ralf Rangnick stellte sich vor die Spieler. "Nach meinem Rechtsverständnis haben sie nichts zu befürchten", meint der Hoffenheimer Coach. Und betont: "Bei uns wird nicht gedopt." Der DFB bestätigte am Samstag, dass die Dopingproben beider Akteure negativ ausgefallen seien.