Jürgen Klinsmann hat Uli Hoeneß indirekt eine Mitverantwortung für die unbefriedigende vergangene Saison des FC Bayern zugeschrieben. Der Ex-Bundestrainer findet, dass die Misserfolge auch für den damaligen Manager Konsequenzen hätte haben müssen.
"Wenn (...) ein Manager auf der Bank sitzt und starken Einfluß auf die Mannschaft hat, Gespräche mit den Spielern führt, mit ins Trainingslager fährt und an allen Dingen nah dran ist (...), das hat nichts mit Namen zu tun - es geht um Strukturen. Aber kommt es bei einer solchen Konstellation zum Misserfolg, bei dem es heißt, es müssen Konsequenzen gezogen werden, dann müssten sich eigentlich beide verabschieden", sagte Klinsmann in einem Interview mit der "FAZ".

Klinsmann, war am 27. April dieses Jahres nach nur zehn Monaten von seinen Aufgaben als Trainer der Bayern entbunden worden. "Ich habe da so viel Engagement und Energie reingesteckt, aber ich habe merken müssen, dass meine Art der Arbeit nicht akzeptiert wurde", sagte der 45-Jährige.
Der Weltmeister von 1990 kritisierte in diesem Zusammenhang die Strukturen in den Vereinen. "Es war eine der Lektionen, dass ich nicht das Gewicht und die Unabhängigkeit wie beim DFB (Deutscher Fußball-Bund) hatte, um bei unterschiedlichen Meinungen halt sagen zu können: 'Dann halt nicht'. In der Bundesliga ist man als Trainer angestellt und dem Vorstand unterstellt." Felix Magath habe aus dieser Zeit "die Konsequenz gezogen, dass er keinen Manager mehr um sich haben will. Er macht das lieber selbst, und zwar sehr erfolgreich. Das ist nachvollziehbar", so Klinsmann.
In der Bundesliga werde alles über Erfolg oder Misserfolg definiert, nicht aber im Sinne "einer Fortentwicklung", sagte Klinsmann. "Es kann aber eine positive Entwicklung geben, auch wenn der Erfolg noch nicht da ist. Beispiele gibt es wie den HSV, Leverkusen, Wolfsburg oder Werder Bremen, das sich zu einer Marke mit Offensivfußball entwickelt hat. Die langfristige Arbeit von Thomas Schaaf ist beeindruckend."
In diesen Tagen siedelt Klinsmann noch vor Weihnachten mit seiner Familie wieder in die USA über. "Ich kehre mit einem großen Erfahrungsschatz zurück, der viele Dinge beinhaltet, die ich nach meiner Entlassung aufgearbeitet habe. Ich weiß jetzt, warum ich manche Dinge beim FC Bayern nicht umsetzen konnte - und warum man das vielleicht immer noch nicht kann. Diese Lebenserfahrung hilft mir sehr beim Blick nach vorne."

Erstmals räumte der Coach auch ein, mit seiner Aussage, jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser machen zu wollen, nicht richtig verstanden worden zu sein. "Mir wurde der Spruch, dass ich jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser machen möchte, um die Ohren gehauen. Ich habe das falsch ausgedrückt. Ein Trainer kann nur helfen, damit sich ein Spieler selbst besser macht. Ein Trainer kann einen Spieler nicht besser machen. Der Antrieb muss beim Spieler selbst liegen. Denn jeder von uns hat den Schlüssel in sich selbst liegen."
Beim FC Bayern sei er an seine Grenzen gestoßen, er sei mit Menschen zusammengetroffen, die "komplett anders" denken. "Im Nachhinein war es deshalb auch ganz gut und richtig, dass man sich getrennt hat", bilanzierte Klinsmann,