Hamit Altintop ist gebürtiger Gelsenkirchener. Vor dem Duell mit seinem Heimatverein FC Schalke 04 am Samstag (15.30 Uhr) spricht der Mittelfeldmann des FC Bayern über die Krise der Münchner, Ribéry und Robben und seine spezielle Beziehung zu S04.
ZDFonline: Hamit Altintop, in der Bundesliga nur auf Rang sechs und in der Champions League vor dem Aus: Was ist los mit dem FC Bayern?
Hamit Altintop: Wir haben hohe Ansprüche, doch leider konnten wir diesen in der Vergangenheit nicht immer gerecht werden. Es gibt einige Faktoren, warum es bei uns noch nicht so läuft, wie wir uns das alle vorstellen. Es ist ein neuer Trainer da und es sind auch einige Spieler neu hinzugekommen. Außerdem ist es bisher nicht gelungen, die Spieler, die weggegangen sind, eins zu eins zu ersetzen. Dazu kommt noch, dass uns in den vergangenen Wochen wichtige Spieler aufgrund von Verletzungen nicht zur Verfügung standen.
ZDFonline: Louis van Gaal steht schon in der Kritik. Man kreidet ihm an, zu viel an der Aufstellung und am System zu verändern. Sind die Vorwürfe gerechtfertigt?
Hamit Altintop: Es steht mir nicht zu, darüber zu urteilen. Der Trainer muss entscheiden, welche die richtige Formation und Taktik ist. Wenn anfangs die Ergebnisse nicht stimmen, gucken gerade beim FC Bayern alle genau hin, woran das liegen könnte. Wir wussten, dass es gegen Bordeaux ein ganz wichtiges Spiel sein würde und haben es leider verloren. Das ist eine schwierige Situation für den Verein und uns Spieler, aber wir müssen nun zusammenhalten. Da wir eine Mannschaft mit Charakter haben, denke ich auch, dass wir aus dieser Lage wieder herauskommen werden.
ZDFonline: Ohne Franck Ribéry und Arjen Robben scheint der Rekordmeister aber sportlich nur die Hälfte Wert zu sein.

Hamit Altintop: Das sind Top-Spieler, keine Frage, aber Fußball ist ein Sport, in dem das Kollektiv zählt. Wir haben Spieler in der Mannschaft, die eine Erfahrung von 50, 60 Länderspielen haben. Da müssen wir alle mehr Verantwortung übernehmen und dahin gehen, wo es weh tut. Ich denke daher nicht, dass es nur an Franck Ribéry und Arjen Robben liegen kann, wo es mit uns hingeht. Der HSV und Schalke haben auch keinen Robben oder Ribéry, sie zeigen, wie es auch ohne solche Stars laufen kann.
ZDFonline: Sind dennoch die kommenden Duelle gegen Schalke und in Leverkusen schon Schlüsselspiele für den FC Bayern?
Hamit Altintop: Die Partien Bayern gegen Schalke sind immer etwas Besonderes, nicht nur für meinen Bruder Halil und mich. Momentan ist das Spiel für uns sicher genau so wichtig wie das gegen Bordeaux. Wenn wir gewinnen, sieht es in der Bundesliga wieder gut aus. Dann wären wir ganz vorne dabei und hätten zwei Wochen später in Leverkusen die Chance, noch ein Zeichen zu setzen.
ZDFonline: Sie selbst sind kaum noch erste Wahl und kamen gegen Bordeaux gar nicht zum Einsatz. Haben Sie noch eine Zukunft bei den Bayern, da Ihr Vertrag im nächsten Jahr ausläuft?
Hamit Altintop: Das ist eine Situation, die ich so noch nicht erlebt habe. Ich hatte immer meine Einsatzzeiten, auch wenn es oft nur 30 oder 45 Minuten waren. Zuletzt ist das weniger geworden, da macht man sich als Spieler seine Gedanken. Ich respektiere, dass der Trainer so entscheidet, aber ich bin natürlich nicht zufrieden damit, dass ich nicht spiele. Körperlich bin ich voll dabei und werde weiter versuchen mich im Training anzubieten.
ZDFonline: Falls es in München keine Perspektive für Sie geben sollte: Können Sie sich die Rückkehr nach Schalke, in Ihre Geburtsstadt Gelsenkirchen, vorstellen?
Hamit Altintop: Es ist zu früh, sich darüber Gedanken zu machen. Das Fußballgeschäft ist so schnelllebig, da kann man jetzt noch nicht wissen, was in ein paar Monaten passieren wird. Aber klar, Gelsenkirchen ist meine Heimat und ich verfolge immer, was mit Schalke passiert, denn der Klub liegt mir am Herzen. Schließlich habe ich vier Jahre dort gespielt.