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10. Februar 2012
 

Sport

 
Manfred Amerell. Quelle: imago
Manfred Amerell

Schiedsrichter-Affäre

DFB will
Amerell anzeigen

Ex-Schiedsrichter-Beobachter wirft Zwanziger Günstlingswirtschaft vor

Manfred Amerell hat seine Angriffe auf DFB-Chef Theo Zwanziger weiter verschärft. Er warf ihm einseitige Aufklärung im Schiedsrichter-Skandal sowie Günstlingswirtschaft vor. Der Verband kündigte an, Amerell wegen übler Nachrede anzuzeigen.

 
 
 
 

"Mit seinen neuesten Äußerungen in den Medien ist Herr Amerell endgültig zu weit gegangen. Der DFB wird dem medialen Rachefeldzug nicht weiter tatenlos zusehen und auf die beleidigenden Aussagen mit Strafanzeigen wegen übler Nachrede und Verleumdung reagieren", teilte der DFB mit.

Zitat

„Das ist die größte menschliche Enttäuschung meines Lebens“

Amerell über Zwanziger

Günstlingswirtschaft?

Amerell hatte dem DFB-Präsidenten Zwanziger in einem DSF-Interview Günstlingswirtschaft vorgeworfen. Ein Schiedsrichter aus Zwanzigers Heimatort Altendiez sei in die Bundesliga gehievt worden, obwohl andere Kandidaten nach dem Bewertungssystem besser geeignet gewesen wären. Der Verband wies dies zurück. Der Schiedsrichterausschuss habe am 9. Januar 2010 einstimmig beschlossen, den Schiedsrichter für die Bundesliga vorzuschlagen.

Zuvor hatte Amerell den Vorwurf der einseitigen Aufklärung des Schiedsrichter-Skandals erneuert und intensiviert. "Das ist die größte menschliche Enttäuschung meines Lebens, dass ein Präsident mit so viel Erfahrung rücksichtslos über Leichen geht", sagte Amerell dem Magazin "Sportbild". Fürsorgepflicht habe Zwanziger auch "gegenüber denen, die Fehler machen. Das hat er außer Acht gelassen", ergänzte der ehemalige Bundesliga-Referee Amerell, dem mehrere Unparteiische sexuelle Nötigung vorwerfen. Das frühere Mitglied im Schiedsrichter-Ausschuss des DFB hat dies stets bestritten.

 

Daraufhin sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach: "Jeder, der unseren Präsidenten und sein aufrichtiges Engagement für einen werteorientierten Sport kennt, kann bei solchen Äußerungen nur fassungslos den Kopf schütteln. Letztendlich disqualifiziert sich Herr Amerell durch derart niveaulose Aussagen nur noch mehr."

Zitat

„Man kann bei solchen Äußerungen nur fassungslos den Kopf schütteln.“

Wolfgang Niersbach

DFB-Boss schweigt

Zwanziger und der als Kronzeuge aufgetretene Schiedsrichter Michael Kempter, der den Fall Amerell ins Rollen gebracht hatte, haben sich derweil einen Maulkorb verpasst. Der DFB-Boss, wegen seiner Informationspolitik in dieser Affäre immer mehr in Erklärungsnot geraten, will sich bis zur turnusmäßigen Präsidiumssitzung in der Frankfurter DFB-Zentrale am Freitag nicht mehr äußern.

 

Vorher sei auch keine Anhörung Kempters vor dem DFB-Kontrollausschuss geplant, bestätigte ein DFB-Sprecher. Am Mittwoch zitierte die "Bild" den 27 Jahre alten Referee Kempter so: "Von meiner Seite ist alles gesagt. Ich werde mich zu dem Thema nicht mehr äußern."

 
 
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