Uli Hoeneß ist mit mehr als 99 Prozent zum neuen Präsidenten des FC Bayern München gewählt worden. Zudem wurde auf der Jahreshauptversammlung bekannt, dass der Klub im Geschäftsjahr 2008/09 weniger Umsatz gemacht hat als in der Saison zuvor.
Für den 57-jährigen Hoeneß stimmten 4458 von 4490 Mitgliedern. "Ich bin total überwältigt über diesen tollen Zuspruch und über diese Unterstützung", sagte er in einer kämpferischen Antrittsrede. "Ich kann versichern, dass ich diese drei Jahre, für die ich nun gewählt bin, alle Kraft einsetzen werde, dass der FC Bayern sportlich dahin kommt, wo wir ihn uns wünschen."
Hoeneß wird damit Nachfolger von Franz Beckenbauer, der nach 15 Jahren im Amt nicht mehr antrat. Der Kaiser selbst sagte: "Natürlich bleib ich dem FC Bayern verbunden nach 51 Jahren. Da kannst du ja nicht sagen, tschüss, das war's." Noch am Abend wurde Beckenbauer zum Ehrenpräsidenten gewählt. "Er hat es verdient wie kein anderer. Er hat eine permanente Einladung bis ans Lebensende zu allen Veranstaltungen dieses Vereins", sagte Hoeneß. Beckenbauer ist nach dem verstorbenen Präsidenten Wilhelm Neudecker der zweite Ehrenpräsident der Bayern.
Hoeneß hatte den Verein vor 30 Jahren als Manager übernommen und ihn zu einer Weltmarke geformt. "Die zwei wichtigsten Persönlichkeiten des FC Bayern kann man nicht so ohne weiteres ersetzen", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.
Zuvor hatte Finanzvorstand Karl Hopfner die Geschäftszahlen des deutschen Fußball-Rekordmeisters präsentiert. Demnach sanken die Einnahmen nach der Bestmarke von 286,8 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2007/08 wegen gesunkener Transfererlöse auf 268,7 Millionen Euro. Der Gewinn stieg von 2,1 auf 2,5 Millionen Euro. Damit wirtschaftete der Klub zum 17. Mal nacheinander profitabel - auch ein großer Verdienst von Neu-Präsident Hoeneß, der den Verein 1979 mit Schulden und nur zwölf Millionen Mark Umsatz übernommen hatte.
"Ich glaube, man kann mit Fug und Recht sagen, dass wir mit einem Gewinn von 2,5 Millionen Euro unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse in dieser Zeit zufrieden sein dürfen", sagte Hopfner. Die Mitgliederzahl stieg von 147.072 auf 151 227.
Rummenigge kündigte zudem an, dass der zurzeit an Bayer Leverkusen ausgeliehene Toni Kroos im kommenden Jahr auf jeden Fall wieder für München spielen wird. "Toni wird nächstes Jahr zu uns zurückkehren und dann ein wertvoller Spieler für den FC Bayern sein", sagte er. Nach dem Bundesliga-Spiel gegen Leverkusen hatte deren Sportdirektor Rudi Völler kürzlich noch gesagt, dass die endgültige Entscheidung auf das Frühjahr vertagt sei. Der 19 Jahre alte Mittelfeldakteur ist bis zum 30. Juni 2012 an den FC Bayern gebunden.
Umsatz: 268,7 Millionen Euro (Vorjahr: 286,8)
operativer Gewinn: 45,0 Millionen Euro (42,0)
Gewinn nach Steuern: 2,5 Millionen Euro (2,1)
Eigenkapital: 177,5 Millionen Euro (176,0)
Vereinsmitglieder: 151.227 (147.072)
Fanclub-Mitglieder: 181.688 (176.976)
Rummenigge erinnerte auf der Jahreshauptversammlung auch an die enttäuschende vergangene Saison, die keine Titel gebracht hatte. "Das Ziel wurde nicht erreicht", betonte der Vorstandschef. In der laufenden Spielzeit soll der Bundesliga-Siebte bald durchstarten und auch das Gruppen-Finale der Champions League am 8. Dezember in Turin gewinnen. "Ich bin überzeugt, wenn unsere zwei Raketen Franck Ribéry und Arjen Robben zurückkommen, werden wir auch eine andere Mannschaft sehen. Dann wird unsere Mannschaft eine Aufholjagd starten", sagte Rummenigge.
Für einen weiteren Paukenschlag er als er für das Jahr 2010 ein verspätetes Abschiedsspiel für Franz Beckenbauer ankündigte. Dafür soll Real Madrid im August 2010 in die Allianz Arena kommen. Mit den Königlichen komme die "berühmteste und erfolgreichste Mannschaft der Welt", schrieb Rummenigge im Vorwort eines Sonderheftes. Im Anschluss werde man den dann ehemaligen Präsidenten "mit einem großen Fest gebührend feiern und verabschieden".
Beim Blick in die Vereinshistorie sei ihm aufgefallen, dass Beckenbauer bei seinem Abschied und Transfer als Spieler 1977 von München zu Cosmos New York "nicht gebührend und vor allem nicht FC Bayern like" verabschiedet worden sei, erklärte Rummenigge. Dies wolle man nun nachholen und ihn auch mit mehr als 32-jähriger Verspätung zum Ehrenspielführer des FC Bayern München ernennen.
"Franz Beckenbauer ist zweifelsohne die größte Persönlichkeit in der Geschichte des FC Bayern München", würdigte Rummenigge die Verdienste des "Kaisers".